Erste Stunde


Ein faustgrosses, hilfloses Knäuel, das weder gehen, hören, noch sehen kann - nicht viel mehr ist ein Katzenbaby eine Stunde nach der Geburt. Und doch ist schon alles dafür angelegt, Schritt für Schritt dem grossen Ziel entgegenzugehen: eine grosse, gesunde Katzen zu werden. Die Milchzitzen der Mutter kann das Baby durch Riechen und Tasten bereits fehlerfrei orten. Das Suchen danach ist auch eine der ersten Aktionen des Kätzchens nach seiner Geburt.


Erster Tag


Noch kann das kleine Kätzchen seinen Kopf nicht heben. Er wird ein paar Tage lang schwer auf dem wackeligen, kleinen Körper lasten. Die meisten Kätzchen sind noch blind und taub und reagieren nur auf Gerüche und Berührungen. Am ersten und zweiten Tag bekommen sie von der Mutter ein ganz besonderes Getränk verabreicht: die Kolostralmilch. Sie wirkt wie eine Schutzimpfung, da sie sehr reich an Antikörpern ist und auf diese Weise dafür sorgt, dass das Katzenbaby in den ersten Wochen ein gesundes Immunsystem aufbaut. Ab dem dritten Tag ändert sich dann die Zusammensetzung der Milch.

10 Tage


Die ersten zwei Wochen sind die wichtigsten im Leben der Katze. Hier entscheidet sich, ob die Katzenbabys überlebensfähig sind. Noch sind sie völlig abhängig von der Mutter - und sehr hungrig: Pro Tag legen sie rund zehn Gramm an Gewicht zu. Nach rund zehn Tagen haben sie bereits ihr doppeltes Geburtsgewicht erreicht. Mit sieben bis zehn Tagen beginnen sie, ihre Augen zu öffnen und richten ihre Ohren auf. Auch ihr Köpfchen tragen sie schon hoch, können sich aber mit den Beinchen nur rudernd bewegen.


2 Wochen


Zwei Wochen nach der Geburt ist die Bewegungsfähigkeit der Kätzchen noch immer stark eingeschränkt. Sie können noch nicht gehen, sondern bewegen sich auf dem Boden liegend robbend, kriechend und mit den Beinchen rudernd vorwärts - eine Fortbewegungsweise, die ein wenig an Schwimmbewegungen erinnert. In der zweiten Lebenswoche findet auch die akustische Prägung auf Mutter und Geschwidster statt. Ausserdem brechen sich die ersten von 26 nadelspitzen Milchzähnen ihre Bahn durch den kleinen Kiefer.


3 Wochen


Im Alter von drei Wochen stehen die Katzenkinder erstmals gut auf ihren Beinen, auch das Sitzen und Klettern wird gelernt. Neugierige unter ihnen wagen sich auch schon mal aus dem Nest - in den zehn Prozent ihrer Zeit, die sie nicht mit Schlafen und Dösen verbringen. Ihr Seh-, Hör- und Riechvermögen entwickelt sich weiter, in der dritten Woche findet nun auch die optische Prägung auf Mutter und Geschwister statt. Die Kätzchen lernen jetzt viel durch Beobachtung ihrer Mutter und beginnen, sich langsam auch für feste Nahrung zu interessieren.


4 Wochen


Nun beginnt die wichtige Erziehungszeit, eine Zeit, in der auch wichtige soziale Prägungen stattfinden. Jetzt nehmen die Kätzchen auch bereits feste Kost zu sich, beginnen, sich selbst zu putzen und mit Gegenständen zu spielen. In diesem Alter lernen sie von ihrer Mutter in der Wohnung auch die Stubenreinheit, also das Katzenklo zu benützen und sie sind schon richtige kleine Pfundskerle: Im Alter von vier Wochen wiegen die Kätzchen bereits das Vierfache ihres Geburtsgewichtes.


5-6 Wochen


Jetzt erwacht die Abenteuerlust der Kätzchen. Sie machen Jagd auf alles, was sich bewegt - und selbst an Mäuse trauen sie sich nun heran. Die Kleinen können nun sicher laufen, das Ausscheiden von Urin und Kot ohne mütterliche Hilfe selbst kontrollieren, Buckel machen, springen und klettern. Ab der sechsten Woche sind sie weitgehend von der Mutter entwöhnt und zu wilden Spielen mit Mutter und Geschwistern bereit. Ausserdem ist ab dem 39. Tag der Stellreflex voll ausgebildet, das heisst, sie können sich im freien Fall so drehen, dass sie auf allen vier Pfoten sicher landen können.

7-8 Wochen


"Die Halbstarken" könnte als Motto über der Lebensphase stehen, die zwischen sieben und acht Wochen die Kätzchen auf Trab hält. Die spielerischen Kämpfe werden immer rabiater und die gesamte Motorik entwickelt sich weiter. Aus den Katzenbabys sind junge Katzen geworden, die langsam zu Erwachsenen werden - auch wenn sie noch Milchzähne haben, die aber alle nun vollzählig ausgebildet sind. An erster Stelle ihrer Freizeitbeschäftigung stehen nun zwei Dinge: spielen und jagen. Motorik, Kampf- und Fluchtreaktionen, Mimik und Lautgebung - alles entwickelt sich weiter und wird bis zur Perfektion einstudiert. Auch die Thermoregulierung, die ab der vierten Woche aufgebaut wurde, ist jetzt voll ausgebildet. Das heisst, die Katzen können ihre Körpertemperatur selbstständig regulieren.

9-11 Wochen


Mit zehn Wochen sind die Kätzchen vollständig entwöhnt, die schöne Kinderzeit ist zu Ende. Jetzt fressen sie meistens nur noch feste Nahrung, schärfen ihre Krallen an allem, was sich dafür eignet, klettern überall hinauf und üben sich in Hoch- und Weitsprüngen. Nicht wundern, wenn sie sich jetzt wie kleine Rabauken benehmen. Dadurch festigen sich die Nervenverbindungen, entwickelt sich die Muskulatur und präzisieren sich die Bewegungen. Das Gehirn und alle Sinnesorgane sind nun voll entwickelt und auch die Augen haben ihre endgültige Farbe angenommen.

12 Wochen


Die Sehschärfe kann sich jetzt mit jener erwachsener Katzen messen: Sie hat sich zwischen zweiter und zehnter Woche um das 16-fache gesteigert. Nicht bei allen Katzen läuft die Entwicklung nach dem gleichen Zeitschema ab. Auch hier gibt es Frühreife und Spätzünder.